Girard-Perregaux

Aus Uhren-Wiki: Die besten Uhren und Uhrenmarken
Wechseln zu: Navigation, Suche
Girard-Perregaux Firmenlogo
Girard-Perregaux

Schweizer Uhrenmanufaktur

Das 1884 patentierte "Tourbillon mit 3 Goldbrücken"

Der Hersteller Girard-Perregaux gehört zu den wenigen wirklich authentischen Schweizer Manufakturen. Die Firma zehrt nicht etwa nur von einem großen Namen der Vergangenheit, sondern seit Beginn ihres Bestehens ist sie mit hohem Qualitätsstreben an der ständigen Weiterentwicklung der guten mechanischen Uhr tätig gewesen.

Firmengeschichte

Im Jahr 1852 gründet Constantin Othenin Girard das Unternehmen Girard & Cie. Zwei Jahre später heiratet er Marie Perregaux, und aus der Verschmelzung ihrer Namen bzw. durch Zusammenarbeit mit Henri Perregaux entsteht 1856 in La Chaux-de-Fonds die Manufaktur Girard-Perregaux. Das Ziel der Manufaktur ist die Fertigung von Präzisionsuhren.

Erfolge und Auszeichnungen

Constantin Othenin Girard (1825-1903)

Zwischen 1866 und 1876 gewinnt Girard-Perregaux mehrere Preise bei den vom Observatorium in Neuenburg eingerichteten Chronometer-Wettbewerben. 1867 präsentiert Constantin Girard ein Tourbillon und gewinnt damit auf der Weltausstellung in Paris eine Goldmedaille.

Am 25. März 1884 meldet Constantin Othenin Girard beim „United States Patent Office“ eine Zeichnung mit der Abbildung eines Uhrwerks mit drei parallel angeordneten pfeilförmigen Brücken zum Patent an: das berühmte „Tourbillon mit drei Goldbrücken“. Die Entwicklung dieses Werks hat mehrere Jahre in Anspruch genommen. Mit seinen drei parallel angeordneten pfeilförmigen Brücken gilt es seinerzeit als besonders innovativ, da es nicht nur mit technischen und funktionellen Komponenten überzeugt, sondern auch einen festen Bestandteil des Designs der Uhr bildet.

1889 holt die Tourbillon-Uhr mit drei Goldbrücken auf der Weltausstellung in Paris eine Goldmedaille, bevor sie dann im Jahr 1901 aufgrund ihrer Unerreichbarkeit nicht mehr zum Wettbewerb zugelassen wird.

Jean-Francois Bautte (1772-1837)

Ab 1880 entwickelt Constantin Girard im Auftrag von Kaiser Wilhelm I. Armbanduhren für die deutschen Marineoffiziere und fertigt davon zweitausend Uhren - die damit ersten in Serie gefertigten Armbanduhren überhaupt. Leider ist kein Original dieser Serie — das heute sicher von hohem Sammlerwert wäre — mehr auffindbar gewesen, so dass man für das firmeneigene Museum ein Exemplar aus alten Plänen rekonstruierte.

1903 verstirbt Girard. Sein Sohn, Constant Girard-Gallet, übernimmt die Leitung der Firma. Er kauft im Jahr 1906 die von Jean Francois Bautte gegründete Firma Bautte hinzu. Da dieser talentierte Uhrmacher, Guillocheur, Goldschmied und Gehäusebauer bereits im Jahr 1791 begonnen hatte, seine Uhren mit eigenem Namen zu signieren, zählt Girard-Perregaux dieses Datum seither als Beginn der Firmengeschichte.

In den 1920er Jahren spezialisiert sich das Unternehmen auf Armbanduhren. 1928 erwirbt Otto Graef die Mehrheitsanteile an Girard-Perregaux. 1930 werden erstmals mehr Armbanduhren als Taschenuhren verkauft. Die Marke Girard-Perregaux ist um 1940 sowohl in Europa als auch in Amerika sehr erfolgreich, insbesondere mit dem wasserdichten Modell Sea Hawk (s.u.). Die Marke MIMO (Manufacture Internationale de Montres Or) hingegen findet zu dieser Zeit hauptsächlich auf europäischen Märkten Absatz.

1957 wird das Automatikwerk mit Gyromatic der Öffentlichkeit vorgestellt. 1966 führt Girard-Perregaux in der Gyromatic-Familie das erste Hochfrequenzwerk mit 36.000 Halbschwingungen/Stunde ein.

Die fortschreitende Entwicklung der Quarzuhr-Technologie verfolgt Girard-Perregaux sehr konsequent und kann dadurch 1970 als erste Firma in der Schweiz die industrielle Produktion von Quarz-Armbanduhren in Angriff nehmen. Die von Girard-Perregaux angewendete Frequenz von 32.768 A/h wird später zum internationalen Standard für Quarzuhren.

Seit 1989 werden auch wieder mechanische Uhrwerke gefertigt. Da Girard-Perregaux immer noch eigene Werke in die Uhren einbaut, kann sich die Firma mit vollem Recht zu der Handvoll renommierter Manufakturen zählen, die es heute gibt.

1991 wird eine Armbanduhrversion der legendären Tourbillon-Taschenuhr mit drei Goldbrücken präsentiert. Diese Uhr zählt inzwischen zu den bekanntesten Armbanduhren mit Tourbillon überhaupt.

1992 übernimmt der italienische Unternehmer, Architekt und ehemalige Rennfahrer Luigi Macaluso die Leitung des Unternehmens. Als Uhren-Importeur, der Uhren von GP schon länger nach Italien eingeführt hatte, ergriff er beherzt die Chance, die sich ihm bot, und erwarb die Marke von Francis Besson, der sie seinerseits nur wenige Jahre zuvor vom Zürcher Handelshaus Desko von Schulthess übernommen hatte. Durch eine Vereinbarung mit Ferrari entstehen daraufhin Chronographen mit Ferrari-Logo in limitierter Auflage sowie zwischen 1994 und 2004 eine Kollektion aus Sportmodellen und Grandes Complications.

Massimo Macaluso, der Sohn des Firmeninhabers, ist für die Tochterfirma Daniel JeanRichard (oder: Jeanrichard) zuständig.

Die beiden Marken Jean Richard und Girrard Perregaux bilden zusammen die Sowind-Gruppe. An dieser besitzt seit 2011 der Luxuskonzern Kering (ehemals PPR, Inhaber der Modemarken Gucci und Brioni) 50,1 % der Anteile.


Die wichtigsten Uhrenlinien von GP

1945 bringt Girard-Perregaux ein rechteckiges Art-déco-Modell auf den Markt. 1995 erlebt dieses Modell eine Renaissance unter dem Namen Vintage 1945. Vintage 1945 ist international so erfolgreich, daß es von dem Modell inzwischen eine Linie Lady und einen Säulenradchronographen mit automatischem Aufzug gibt, und sogar ein prächtiges Modell mit automatischem Tourbillon und mit einer oder 3 Goldbrücken.

Die 1993 gestartete Linie Richeville beinhaltet Modelle in eleganter Tonneau-Form, in der Variante als mechanischer Chronograph mit automatischem Aufzug oder als Automatikuhr mit kleiner Sekunde.

Die Sea Hawk-Uhrenlinie reicht bis in die 60er und 70er Jahre des letzten Jahrhunderts zurück. Sie entwickelte sich mit der Zeit zu einer Serie von Taucheruhren. Der Name „Sea Hawk“ wurde nach dem 2. Weltkrieg für Uhren gebräuchlich, die für aktive Einsätze verwendet wurden, insbesondere bei Produkten für die See- und Schiff-Fahrt.

Die Kollektion Girard-Perregaux 1966 enthält Uhren im schlichten und zugleich überaus edlen Designstil der sechziger Jahre, darunter nicht nur eine äußerst elegante Drei-Zeiger-Uhr, sondern auch die sogenannte "Fleming-Watch" mit Vollkalender und Mondphasenanzeige. (Der Name erinnert an die Beschreibung genau einer solchen Uhr, die der James-Bond-Autor Ian Fleming in seinem Klassiker "From Russia with Love" veröffentlicht hatte.)

2003 präsentiert Girard-Perregaux die dritte Weiterentwicklung der 1975 entstandenen Kollektion „Laureato“ unter dem Namen Laureato EVO 3. Das Gehäusedesign nimmt das klassische Thema der achteckigen Lünette auf, aber in sanfteren Linien als früher, was auch für das integrierte Armband gilt. Die Neufassung birgt ein mechanisches Chronographenwerk mit automatischem Aufzug und verschiedenen Komplikationen inkl. ewigem Kalender.

Die Serie ww.tc (das Kürzel steht für World Wide Time Control) ist eine Weltzeituhr mit hohem Wiedererkennungswert - ein stilvoller Automatik-Chronograph der Luxusklasse mit Zeitzonenanzeige.

Das GP-Museum

Im manufaktureigenen Museum, der 1998 erworbenen Villa Marguerite, sind die Meilensteine aus der Geschichte der Uhrmacherei, insbesondere die der Marke selbst zu bewundern. (Im Sommer 2007 wurde in das Museum eingebrochen und es wurden fast alle Uhren im Wert von mehreren Millionen Schweizer Franken gestohlen. 48 Stunden später wurden die Uhren von der Polizei sichergestellt.[1])

Literatur

Anschrift

Girard-Perregaux
(Groupe Sowind)
Place Girardet 1
CH-2301 La Chaux-de-Fonds
Tel. +41 32 911 33 33
Fax: +41 32 914 04 80

Weblinks

Einzelnachweise

  1. siehe uhren-schmuck.de: Uhrenmuseum von Girard-Perregaux ausgeräumt, 6.7.2007 (Stand 1.1.2008)