Vacheron Constantin

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Vacheron Constantin Tour de l'Ile, zum 250-jährigen Jubiläum präsentiert
© Vacheron Constantin

Vacheron Constantin ist eine Schweizer Uhrenmarke.

Die seit dem Jahre 1755 bestehende Uhrenmanufaktur Vacheron Constantin ist der älteste, seit über 250 Jahren ununterbrochen tätige Uhrenhersteller der Welt.

Gründung durch Jean-Marc Vacheron

Jean-Marc Vacheron gründete in besagtem Jahr 1755 im Genfer Stadtteil Saint Gervais ein eigenes Uhrenatelier. 1785 übernahm sein Sohn Abraham das damals noch kleine Unternehmen. Geliefert wurden die hergestellten Uhren an Adel und Klerus sowie an wohlhabende Kaufleute. Mit der französischen Revolution verschlechtert sich die Absatzlage dramatisch und Abraham Vacheron sah sich mit zahlreichen Problemen konfrontiert. Er heiratete und hängte seinem Namen der Tradition entsprechend den Nachnamen seiner Ehefrau an, somit änderte sich auch der Namen der Manufaktur in „Vacheron-Girod“.

Anfang des 19. Jahrhunderts übernahm Abrahams Sohn Jacques Barthélemy Vacheron die Leitung des Betriebes, der mittlerweile den Namen „Vacheron-Chossat“ führte.

Auf zahlreichen Geschäftsreisen durch Italien, Frankreich und Deutschland gelingt es ihm, neue Kunden für seine aufwendigen Produkte zu finden: nämlich für seine Kollektion aus Taschenuhren mit für diese Zeit sehr flachen Werken, Spieluhren, Minutenrepetitionen, eingesetzt in kostbaren und eleganten Gehäusen. 1819 holt er sich den Sohn eines befreundeten Stoffhändlers, Francois Constantin, als Partner zur Unterstützung des Vertriebs dazu, und die Firma nennt sich nun "Vacheron & Constantin". Constantin hatte als Verkäufer für Jean-Francois Bautte seine ersten Erfahrungen in der Uhrenbranche gesammelt. Mit dessen außergewöhnlichen Fähigkeiten und Aktivitäten waren die damals bestehenden finanziellen Schwierigkeiten bald überwunden. Nach und nach steigen die Umsatzzahlen erheblich. Ab 1830 wurden die Uhren der Firma in New York von Jean Magnin und in New Orleans von Brey verkauft.

Innovative Serienfertigung

Georges-Auguste Leschot

Um der steigenden Nachfrage weiterhin gerecht werden zu können, erweist sich eine Rationalisierung der Fertigung als nötig. Jacques-Barthélémy findet 1839 in dem Genfer Uhrmacher und Mechaniker Georges-Auguste Leschot, einem genialen Konstrukteur, den passenden Mann für diese Aufgabe. Dieser erfindet Produktionsmaschinen, mit deren Hilfe hochwertige Werk- und Gehäuseteile, die vorher einzeln in aufwendiger Handarbeit gefertigt wurden, nun mit mindestens gleicher Qualität automatisiert hergestellt werden können. Durch diese neuartige Serienfertigung von Uhrwerken entsteht ein enormer Kostengewinn, denn die Firma kann nun ihre Qualitätsuhren zu günstigen Preisen in höherer Auflage herstellen. Ferner legt Leschot großen Wert auf die Austauschbarkeit von Komponenten — ein weiterer Faktor zur Kostensenkung und ökonomischeren Herstellung.

Nach dem Tod von Abraham Vacheron im Jahr 1843 wechselt die Manufaktur ihren Firmensitz in die Tour d'Ile im Zentrum der Stadt, wo die Rhone in den Genfer See mündet. César, der Sohn von Jacques Barthélemy, übernimmt die Leitung des Betriebes. 1845 wird Leschot und der Manufaktur von der "Genfer Societé des Arts" die begehrte Auszeichnung "Auguste de la Rive" als Auszeichnung für besondere Pionierleistungen auf dem Gebiet der Uhrenherstellung verliehen.

Die Manufaktur expandiert ins Ausland: So richtet Constantin Firmenagenturen in Rio de Janeiro (1849), Holländisch-Ostindien (1847), Kalkutta (1850) und New York (1864) ein. Im gleichen Jahr stellt die Manufaktur ebenfalls preisgünstigere, nicht ganz so hochwertige Uhren her, unter denen sich neben den normalen Exemplaren mit dem Warenzeichen „Abm. Vacheron Geneve“ und „Chossat & Cie“ auch erstklassige Exemplare befanden, welche die Signatur Abraham Vacherons tragen.

Unter Führung zweiter Witwen

1869 stirbt César Vacheron, und sein Sohn Charles ändert erneut den Namen in „Charles Vacheron & Cie“. Als Charles im Alter von 25 Jahren ebenfalls stirbt, geht die Manufaktur in den Besitz der Witwen über. Catherine Etierinette Vacheron, damals achtzigjährig, und Laure Vacheron Pernessin geben der Firma jetzt den Namen „V.ve César Vacheron & Cie“.

1872 werden die Uhren vom Observatorium in Genf für ihre hohe Qualität ausgezeichnet. 1875 wird Philippe-Auguste Weiss als Direktor eingestellt. Jean-Francois Constantin kehrt in die Führungsetage der Manufaktur zurück, und der Firmenname lautet wieder „Vacheron & Constantin“. Der Betrieb wird in die Nähe des Quai des Moulins verlegt. 1880 läßt sich Vacheron & Constantin den Markennamen und das Logo schützen; so erscheint jetzt auf allen Produkten des Hauses entweder der Schriftzug „Vacheron & Constantin, Fabricant, Genève“ oder „Horlogorie et boites de montres“ und jeweils das Malteserkreuz, inspiriert durch die Optik des entsprechenden Rades der Unruh als Symbol für Präzision, das jedoch später durch zwei sich überkreuzende Segmente ersetzt wird.

Nach dem Tod von Catherine Etiennette (1883) und Laure (1887) wird das Unternehmen in eine Aktiengesellschaft umgewandelt, die ab 1896 nur noch „Vacheron & Constantin“ heißt.

Vacheron Constantin Métiers d'Art, zum 250-jährigen Jubiläum im Jahre 2005 präsentiert

Vacheron Constantin erntet für die Uhren weitere Auszeichnungen und Medaillen, so bei der Schweizer Nationalausstellung von 1896 und im gleichen Jahr wiederum beim Genfer Observatorium für einen ersten Preis beim Präzisionswettbewerb.

Die ersten Armbanduhren

1911 werden neben den Taschenuhren auch Armbanduhren ins Programm genommen. 1918 erläßt die U.S.-Armee eine Ausschreibung für 3000 Taschenuhr-Chronographen und erteilt Vacheron Constantin schließlich den Produktionsauftrag.

Zwischen 1920 und 1930 entstehen Meisterwerke wie die Grande Complication mit Minutenrepetition, Schleppzeiger-Chronographen mit Zähler, ewigem Kalender, Mondphasenanzeige und Wecker oder den danach auf der Ausstellung in Zürich gezeigten Schleppzeiger-Chronographen mit Gangreserve, ewigem Kalender und Mondphase. 1938 läßt König Farouk von Ägypten für sich eine Grande Complication herstellen, die alle bisherigen Gipfelleistungen der Uhrmacherkunst in sich vereinigt.

Ab 1938 arbeitet die Firma eng mit Jaeger-LeCoultre zusammen und verwendet auch deren Rohwerke. In eine Finanzkrise geraten, entschließt sich Charles Constantin, die Aktienmehrheit an Georges Ketterer zu verkaufen. Ab 1940 ist dieser Hauptaktionär der Firma.

1985 verkauft die Familie Ketterer ihre Aktienmehrheit an den früheren saudi-arabischen Erdölminister Scheich Yamani; die Firmenleitung bleibt weiterhin in Schweizer Hand. Das „&“ wurde mittlerweile aus dem Firmennamen genommen. Später geht die Firma in den Besitz der französischen Vendôme Luxury Group über, der u.a. auch Cartier, Piaget, Panerai und Montblanc angehören und die ab 1996 — nach Zukäufen weiterer Luxusmarken wie Jaeger-LeCoultre, A. Lange & Söhne und IWC — zum Schweizer Luxusgüterkonzern Richemont verschmilzt.

Die Schmuckuhr 'Kallista'

Unter den Schmuckuhren, deren Wert hauptsächlich durch ihre Edelsteine bestimmt wird, zählt die Kallista zu den herausragenden Modellen. Sie wurde Ende der siebziger Jahre nach 6000 Arbeitsstunden fertiggestellt und für die unglaubliche Summe von fünf Millionen Dollar an einen nicht genannten Käufer veräußert. Gehäuse und Armband wurden aus dem Vollen gearbeitet: der Rohstoff war ein 1 Kilogramm schwerer Block aus Massivgold. 118 Diamanten von 1,2 bis 4 Karat wurden als Besatz verwendet, und das Gesamtgewicht der Diamanten betrug 130 Karat. Alle Steine wurden mit einem Smaragdschliff versehen.

1994 wird das Firmenmuseum von Vacheron Constantin in Genf eröffnet, in dem neben sehenswerten historischen Uhren auch eine rekonstruierte Uhrmacherwerkstatt aus dem 18. Jahrhundert zu erleben ist.

Vacheron Constantin Mercator
© Vacheron Constantin

Les Complications, Les Essentielles, Les Historiques

Ebenfalls 1994 erscheint zum 400-sten Todestag des Mathematikers, Philosophen, Geographen und Kartographen Gerardus Kremer (1512-1594), heute besser bekannt unter dem Namen Mercator, eine Jubiläumsuhr, die anders aussieht als alle bislang bekannten Armbanduhren. Das emaillierte Zifferblatt zeigt eine damalige Landkarte von Mercator mit Europa, Afrika, Asien und Australien, darüber befinden sich zwei Zeiger in Gestalt eines Kartenzirkels, die als retrograde Stunden bzw. Minuten die aktuelle Zeit anzeigen. Die Herstellung dieser Uhren erfordert einen ungewöhnlich großen Aufwand. Allein für den Emaillierungsprozeß werden 35 Erhitzungen auf 700-800° Celsius benötigt. Mittlerweile sind die verschiedenen Versionen zu begehrten Objekten geworden und erzielen bei Auktionen hohe Preise.

In der Modellreihe "Les Complications" finden sich Uhren mit einer Fülle von Komplikationen wie Ewigem Kalender, Tourbillon, Gangreserve oder retrograder Anzeige — mitunter sogar in besonders aufwendigen skelettierten Ausführungen. Die Serie "Les Essentielles" könnte man als schlichten Gegenpol hierzu bezeichnen, denn es handelt sich um Uhren, deren Design aufs Wesentliche konzentriert ist: einfachste Zifferblattgestaltung, nur zwei Zeiger — "schlicht" wäre richtig, wenn nicht auf andere, hintergründige Weise ein Eindruck von äußerstem Luxus, äußerster Eleganz erreicht würde. Diese Uhren sind flach gehalten und mit Handaufzug versehen. Als dritte Reihe gibt es die "Les Historiques" im klassischen Design.

Vacheron Constantin Overseas
© Vacheron Constantin

Die Sportuhr 'Overseas'

Um die Firma nicht nur als Hersteller klassisch-konservativer Modelle, sondern auch im Bereich der modernen Trenduhren zu positionieren, wird das sportliche Modell Overseas kreiert. Auf geniale Weise weckt hier die eckige Form der Lünette Anklänge an das Malteserkreuz des Firmenlogos. Die Uhr verbindet Exklusivität und Wertbeständigkeit: ungewöhnliches Werk, verfeinert mit Goldsegment am Aufzugrotor, feinste Detailtreue und höchste Verarbeitungsqualität bis hinein in weniger auffällige Aspekte wie Gehäuserückseite, wo sich das formschöne Bild eines Segelschiffs eingeprägt findet, sowie bei Krone, Armband und Schließe. Von der Overseas gibt es auch eine Chronographen-Variante.

Das 250-Jahr-Jubiläum

Vacheron Constantin Quai de l'Ile
© Vacheron Constantin

2005 feiert Vacheron Constantin das Jubiläum zum 250-jährigen Bestehen der Firma und ist damit die älteste durchgehend aktive Uhrenmarke der Welt. Anläßlich dieses Jubiläums werden drei besondere Uhren bzw. Uhrenreihen vorgestellt, darunter die Tour de l'Ile mit zahlreichen Komplikationen. Sie kostet rund 1,9 Millionen Francs, was sie in den Rang der bekanntesten Armbanduhren weltweit katapultiert. Auch die Standuhr "Pendule L'Esprit des Cabinotiers", ein anläßlich des 250. Jubiläums hergestelltes Unikat, erzielt einen Verkaufspreis von 2,206 Millionen Francs und verbucht damit einen Weltrekord in ihrer Kategorie.

Aktuelle Reihen und Modelle

Die wichtigsten aktuellen Uhrenreihen der Marke heißen Malte (klassisch), Patrimony (elegant/schlicht), Overseas (sportlich) und Historiques. Mit der neuen Uhrenlinie Quai de l'Ile mit transparentem Zifferblatt, bei der sich auf Basis zweier Manufakturwerke und der drei Gehäusematerialien Rotgold, Titan und Palladium etwa 400 personalisierte Varianten erstellen lassen, wagt man erstmals den Schritt in die aktuelle Avantgarde.

Aufsehen erregte die Sonderserie Métiers d'Art, die zuerst mit vier Modellen anläßlich des Jubiläums 2005 lanciert wurde, inzwischen aber durch die auf drei Jahre angelegte Kollektion "Les Masques" sowie durch die Kollektion Hommage an die Großen Entdecker (Christoph Kolumbus, Marco Polo)‎ schrittweise ergänzt wurde. Ähnlich der legendären, bereits erwähnten Mercator wird hier der höchste Stand der Uhrmacherkunst anhand von handgefertigten "Meisterstücken" demonstriert, sowohl hinsichtlich ihrer äußeren Erscheinung als auch ihrer inneren Werte in Gestalt von anspruchsvollen Manufakturkalibern.

Literatur

Adressen

Vacheron Constantin, Branch of Richemont International SA
Chemin du Tourbillon 10
Case postale 95
CH-1228 Plan-Les Ouates
Tel. +22/930 20 05
Fax +22/930 20 06

Route du Canal 14
Case postale 319
1347 Le Sentier
Tel. +21/845 12 50
Fax +21/845 12 51

Weblinks